Zollpaket

Trumps Zölle drücken den Dollar - und schaffen möglicherweise neue Chancen für Investoren

04.04.25 03:30 Uhr

Unerwartete Dollar-Schwäche: Wie Anleger trotz Trumps Zöllen profitieren könnten | finanzen.net

Die neuen Importzölle von US-Präsident Donald Trump sorgen nicht nur für politische Spannungen - sie schwächen auch überraschenderweise den US-Dollar. Einige Analysten sehen hier jedoch auch Chancen für Anleger.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

2.622,65 USD -51,95 USD -1,94%

3.111,19 USD -22,97 USD -0,73%

• Trump kündigt umfassende Importzölle an
• Experten sind besorgt über Auswirkungen
• US-Dollar schwächelt

Wer­bung

Trump mit umfassender Zollankündigung

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch neue, umfassende Importzölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten in die Vereinigten Staaten eingeführten Waren angekündigt. Darüber hinaus sollen für bestimmte Länder - je nach Handelsdefizit und bestehenden Handelsbarrieren - zusätzlich individuelle Strafzölle gelten. Dies stellt den bislang weitreichendsten und aggressivsten handelspolitischen Schritt seiner Präsidentschaft dar und dürfte die globale Wirtschaft stark belasten. Besonders betroffen ist die Europäische Union, gegen die Trump auch spezifische Maßnahmen plant.
Bereits in der Vergangenheit hatte der Republikaner eine protektionistische Linie verfolgt: Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, Autozölle von 25 Prozent sowie umfassende Abgaben auf chinesische Waren und Produkte aus Kanada und Mexiko gehören zu seiner handelspolitischen Bilanz. Besonders die europäische Autoindustrie dürfte von den neuen Maßnahmen hart getroffen werden. So kündigte Trump für Importe aus der EU explizit einen Sonderzoll von 20 Prozent an. Mit Blick auf die Europäer erklärte er: "Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen. Es ist so erbärmlich." Ein offener Handelskonflikt mit der Europäischen Union scheint nun kaum noch vermeidbar.

Die Einführung dieser Zölle markiere laut Trump einen historischen Wendepunkt. "Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die amerikanische Industrie wiedergeboren wurde", erklärte er im Rosengarten des Weißen Hauses. Er sprach von einem "goldenen Zeitalter" für die USA und warf anderen Nationen vor, die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte wirtschaftlich ausgebeutet zu haben.

Wer­bung

Experten zeigen sich besorgt

Die von Trump angekündigten pauschalen Importzölle dürften nach Einschätzung von Ökonomen erhebliche wirtschaftliche Folgen für amerikanische Haushalte haben, wie CNN berichtet. Laut Justin Wolfers, Wirtschaftsprofessor an der University of Michigan, könnten die neuen Abgaben jeden US-Haushalt jährlich rund 5.000 US-Dollar kosten. Gleichzeitig sei mit einem Anstieg der Lebenshaltungskosten um etwa sechs Prozent zu rechnen, da Unternehmen ihre gestiegenen Importkosten direkt an die Verbraucher weitergeben würden. "Das wird sich schon morgen in den Preisen niederschlagen", warnte Wolfers gegenüber CNN.

Besonders stark betroffen seien laut dem Ökonomen Haushalte der Arbeiter- und Mittelschicht. Er sprach von einem bald einsetzenden wirtschaftlichen Abschwung und kritisierte die Zölle scharf. Statt einen globalen Vorteil zu erlangen, habe Trump mit seiner Handelspolitik die USA zunehmend isoliert. Die Behauptung, es handle sich um reziproke Zölle, wies Wolfers als "Unsinn" zurück - die meisten Industrieländer hätten ohnehin vergleichsweise niedrige Zölle. Die USA drohten, "zum mit Abstand zollintensivsten Industrieland der Welt" zu werden.

Wer­bung

Auch CNN-Wirtschaftsanalystin Rana Foroohar zeigte sich besorgt über Trumps Kurs. Sie verglich die Maßnahmen mit einem riskanten "Spiel mit hohem Einsatz" auf einem globalen wirtschaftlichen Pokertisch. "Trump nutzt den US-Verbrauchermarkt als Druckmittel", sagte sie. Während er sich damit innenpolitische Unterstützung, etwa von Autoarbeitern, sichern könne, riskiere er schwere außenpolitische Folgen. Besonders Europa werde wohl mit einer entschlossenen Antwort reagieren. Die Reaktionen der Entwicklungsländer könnten hingegen variieren - je nach wirtschaftlicher Abhängigkeit von den USA.

Foroohar betonte zudem den grundsätzlichen Unterschied zwischen den gezielteren Zöllen aus Trumps erster Amtszeit - etwa gegen China - und dem nun geplanten umfassenden Zollsystem. "Das ist etwas ganz anderes. Trump will die Globalisierung, wie wir sie kennen, umstürzen", sagte sie mit Blick auf das Bretton-Woods-System, das seit 1944 die Weltwirtschaftsordnung prägt. Ob dieser historische Einschnitt letztlich zu einer weltweiten Rezession führt, bleibe abzuwarten - doch die Unsicherheit sei größer denn je.

Überraschende Folgen für den US-Dollar

Trotz gängiger Erwartungen, dass neue US-Zölle zu einer Aufwertung des US-Dollars führen würden, hat sich die US-Währung seit Jahresbeginn deutlich abgeschwächt. Der ICE US Dollar Index, ein vielbeachteter Maßstab für den Dollar im Vergleich zu anderen Hauptwährungen, fiel seit Jahresbeginn um über 5 Prozent auf zuletzt 103,81 Punkte ab (Stand: 02.04.2025). Und das entgegen den Prognosen großer Banken wie JPMorgan, die von einem stärkeren Dollar im Jahr 2025 ausgegangen waren, so MarketWatch. Auch US-Finanzminister Scott Bessent hatte erwartet, dass ein robuster Dollar die inflationssteigernden Effekte der Zölle ausgleichen würde.

Die Realität sieht nun jedoch anders aus: Ein schwächerer Dollar könnte die importbedingte Inflation sogar verstärken, warnen Experten wie Brad Bechtel von Jefferies. Dies könnte die US-Notenbank dazu zwingen, geplante Zinssenkungen zu verschieben - mit potenziell negativen Folgen für die Aktienmärkte. Zwar haben sich die US-Börsen zuletzt leicht erholt, doch die Unsicherheit bleibt hoch.

Können Anleger von der Dollarschwäche profitieren?

Gleichzeitig sehen einige Analysten dabei jedoch auch Chancen, wie MarketWatch weiter erläutert. So empfiehlt Manish Kabra von Société Générale den Fokus auf international stark engagierte US-Unternehmen. Sein Team hat einen sogenannten "Peak-Dollar"-Aktienkorb mit 18 Titeln zusammengestellt - darunter Finanz-, Medien- und Technologiekonzerne wie Morgan Stanley und Mitglieder der "Magnificent Seven". Diese Firmen könnten von einem schwächeren Dollar profitieren, da ihre im Ausland erzielten Umsätze aufgewertet würden. Kabra erwartet hier mögliche Gewinnzuwächse von sechs bis sieben Prozent.

Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass Trumps neue Zölle bei Investoren wie auch Konsumenten zunehmend Skepsis gegenüber der US-Wirtschaft hervorrufen. Analysten von Evercore ISI betonen, dass der Optimismus über eine überdurchschnittliche US-Wachstumsstory - das sogenannte "US-Exzeptionalismus"-Narrativ - durch die Handelspolitik zunehmend in Frage gestellt werde. "Das Wachstum wird durch all diese Zölle beeinträchtigt", sagte Bechtel. Die Unsicherheit wird zusätzlich durch die erratische Umsetzung von Trumps Maßnahmen verstärkt, so Michael Brown von Pepperstone. "Es ist weniger die Politik selbst als vielmehr die unvorhersehbare Art und Weise, wie sie verkündet, verändert und teils zurückgenommen wird."

Hinzu kämen noch geopolitische Besorgnisse: Analysten wie George Saravelos von der Deutschen Bank befürchten langfristige Schäden für die globale Rolle des US-Dollars, etwa durch einen Rückzug der USA aus internationalen Allianzen. Zwar sehen Experten wie Brown aktuell keine ernstzunehmende Alternative zur Weltleitwährung - dennoch verlagern einige Schwellenländer ihre Reserven zunehmend in Richtung Gold, was den jüngsten Preisanstieg des Edelmetalls zusätzlich befeuert hat.

Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Schroders, Svetlana Lukienko / Shutterstock.com

News Teaser - Vorschau